
Gassi gehen im Alltag
Spazieren mit dem Hund: so gestaltest du Runden, die deinem Hund guttun
4 Min. Lesezeit · Stand 26.10.2026 · Darstellung mit Quellen, keine tierärztliche Beratung
Ein schöner Spaziergang mit Hund lebt von Schnüffelzeit, wechselnden Wegen und kleinen Aufgaben, nicht vom Tempo. Fachleute aus der Tiermedizin zählen das Erkunden mit der Nase zu den wichtigsten Teilen jeder Runde. Plane deshalb Pausen ein, lass deinen Hund Gerüche prüfen und richte das Tempo nach ihm.
Schnüffeln ist beim Spazieren mit Hund keine verlorene Zeit
Für dich ist es ein Grashalm, für deinen Hund eine Zeitung. Das Handbuch der Veterinärmedizinischen Universität Wien beschreibt, dass Urinmarkierungen anderer Hunde vielfältige Informationen liefern, und rät ausdrücklich, den Hund nicht von jeder Stelle wegzuziehen. Mindestens genauso wichtig ist es für ihn, eigene Duftmarken zu hinterlassen, bei Rüden meist noch stärker als bei Hündinnen.
Ein Fachbeitrag der LMU München ordnet das olfaktorische Erkunden als besonders bedeutsam für den Spaziergang ein. Er weist auch darauf hin, dass ein Hund an der kurzen Leine oft nicht genug Gelegenheit zum Suchen und Prüfen von Duftmarken bekommt. Wenn es die Regeln vor Ort erlauben, gib ihm also etwas mehr Leine und etwas mehr Zeit.
Abwechslung beim Spazieren mit Hund: Ort, Untergrund, Tempo
Wald, Feldweg, Uferweg und Stadtpark riechen jeweils ganz anders, und schon ein Wechsel der Richtung macht aus der bekannten Runde eine neue. Bei Welpen empfiehlt der LMU-Beitrag kurze Aufenthalte an möglichst vielen verschiedenen Orten, damit sie viele Umweltreize kennenlernen. Ist dein Hund gerade gestresst oder unsicher, rät das Wiener Handbuch zum Gegenteil, also anfangs zu gleichen Wegen und gleichen Zeiten.
Draußen in Feld und Wald denkst du an das Wild. In Niedersachsen etwa gilt in der freien Landschaft vom 1. April bis zum 15. Juli Leinenpflicht, und manche Hunde gehen dort ohnehin besser an der langen Leine. Mehr dazu im Ratgeber Hund mit Jagdtrieb.
Kleine Aufgaben für unterwegs
- Suchspiele. Versteck ein Leckerli im Laub oder hinter einem Baumstamm und lass deinen Hund suchen. Das Wiener Handbuch nennt Nasenarbeit, Fährtenarbeit und Suchspiele als ruhige Beschäftigung, die auslastet und zufrieden macht.
- Rückruf mit Belohnung und wieder los. Ruf deinen Hund zwischendurch zu dir, belohne ihn und lass ihn wieder laufen. So lernt er, dass Herkommen nicht das Ende der Freiheit bedeutet. Wie du das aufbaust, steht unter Rückruf beim Hund üben.
- Ruhige Momente. Eine Bank, ein Blick auf den See, zwei Minuten einfach sitzen. Auch das gehört zu einer guten Runde.
Vorsicht mit endlosem Ballwerfen und wilden Rennspielen. Das Wiener Handbuch zählt sie zu den Dingen, die einen Hund überbeanspruchen und stressen können.
Zusammen spazieren mit Hund und anderen Menschen
Hunde brauchen regelmäßig Kontakt zu Artgenossen, so steht es in § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung, außer Gesundheit oder Unverträglichkeit sprechen dagegen. Der LMU-Beitrag empfiehlt, sich zu gemeinsamen Spaziergängen auf erlaubten Flächen zu verabreden. Für Hunde, die an der Leine schnell aufdrehen, ist ein Social Walk mit Abstand oft der bessere Anfang.
Woran du merkst, dass die Runde passt
Ein zufriedener Hund kommt entspannt nach Hause und findet danach gut in die Ruhe. Das Wiener Handbuch nennt ein klares Warnzeichen: Ist dein Hund nach dem Spaziergang müde, nach einer kurzen Erholung aber noch aufgedrehter als vorher, war die Anforderung wahrscheinlich zu groß. Nach anstrengenden Tagen dürfen auch ruhige Pausentage sein.
Neue Wege findest du bei den Gassirunden von Rudelrunde, mit Länge, Dauer, Wasser in der Nähe und Bewertungen anderer Halter. Deine Lieblingsrunde kannst du selbst aufzeichnen und teilen.
Rudelrunde zeigt Hunde, die zu deinem passen, und Runden in deiner Stadt.
Häufige Fragen
Wie gestalte ich das Spazieren mit Hund abwechslungsreich?
Wechsle Orte und Richtung, plane Schnüffelpausen ein und bau kleine Suchspiele oder Rückrufübungen ein. Ruhige Momente gehören genauso dazu wie Bewegung.
Soll ich meinen Hund beim Spazieren schnüffeln lassen?
Ja. Fachleute der LMU München und der Vetmeduni Wien halten das Erkunden mit der Nase für einen wichtigen Teil des Spaziergangs und raten, den Hund nicht von jeder Stelle wegzuziehen.
Ist es schlimm, immer dieselbe Runde zu gehen?
Nicht unbedingt. Für gestresste oder unsichere Hunde rät das Wiener Handbuch sogar zu gleichen Wegen. Fühlt sich dein Hund sicher, tut ihm etwas Abwechslung gut.
Darf mein Hund beim Spazieren frei laufen?
Das regeln dein Bundesland und deine Gemeinde, etwa mit Leinenpflicht in Parks oder während der Brut- und Setzzeit. Verbindlich ist der jeweilige Gesetzestext.
Quellen
- Veterinärmedizinische Universität Wien, Messerli Forschungsinstitut: Handbuch zur Vorbereitung auf die Prüfung für Assistenzhundeführer (2015), Teil I (allgemeiner Teil zur Hundehaltung)
- Döring, Mittmann, Schneider, Erhard (2008): Genereller Leinenzwang für Hunde, ein Tierschutzproblem? Deutsches Tierärzteblatt 12/2008, Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der LMU München
- Tierschutz-Hundeverordnung, § 2 Allgemeine Anforderungen an das Halten
- Landkreis Lüneburg, Fachdienst Umwelt: Brut- und Setzzeit, Leinenpflicht in Niedersachsen vom 1. April bis zum 15. Juli (Stand Februar 2022)
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Bildnachweise
- Ein Mensch geht mit seinem Hund auf einem Weg durch den Wald: „Visitor walking happy dog leash hoh campground camping pets d archuleta march 05 2015 (16751947833)“, Olympic National Park, Public domain, Wikimedia Commons, zugeschnitten
- Ein Gassigeher führt mehrere Hunde an der Leine durch einen Park: „Dog walker - Buenos Aires“, revolution cycle, CC BY 2.0, Wikimedia Commons, zugeschnitten
- Gefleckter Hund rennt durch hohes Gras: „English Setter running through grass“, Rjgunn007, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons, zugeschnitten


