
Gassi gehen im Alltag
Rückruf beim Hund üben: so kommt dein Hund gern und zuverlässig zurück
4 Min. Lesezeit · Stand 26.10.2026 · Darstellung mit Quellen, keine tierärztliche Beratung
Den Rückruf übst du am besten in kleinen Schritten, indem du das Signal gibst, wenn dein Hund ohnehin auf dich zuläuft, und ihn belohnst, sobald er bei dir ist. Die Ablenkung steigerst du erst, wenn das zu Hause sicher klappt, und bis dahin sichert eine Schleppleine deinen Hund. Bestrafe ihn nie, wenn er kommt, auch wenn es lange gedauert hat.
Warum es sich lohnt, den Rückruf beim Hund zu üben
Ein Hund, der zuverlässig kommt, darf mehr. Das Handbuch der Veterinärmedizinischen Universität Wien nennt einen sicheren Rückruf zwingend notwendig, für die Sicherheit des Hundes und seiner Umgebung. Ein Fachbeitrag der LMU München zählt freien Auslauf ohne Leine zu einer tiergerechten Haltung, und genau den macht ein verlässlicher Rückruf möglich. Wer zum Weglaufen neigt, läuft so lange an der Schleppleine, bis der Rückruf sitzt.
So startest du: Rückruf mit dem Hund üben in kleinen Schritten
- Der leichteste Moment zuerst. Gib das Signal genau dann, wenn dein Hund ohnehin auf dich zuläuft, und belohne ihn, wenn er da ist. Steht er vor dir, kannst du ein paar Schritte rückwärts gehen und das Signal geben, sobald er dir folgt.
- Zu Hause beginnen. Neue Übungen startest du in gewohnter Umgebung. Danach steigerst du entweder die Dauer oder die Schwierigkeit und erst später die Ablenkung.
- Kurz üben. Mehrere Einheiten von fünf bis zehn Minuten über den Tag verteilt sind sinnvoller als eine lange Stunde.
- Ein Zeichen für die Augen. Laut Wiener Handbuch sind Sichtzeichen für Hunde leichter zu verstehen als Hörzeichen, eine Handbewegung zum Wort hilft also.
Belohnung, die sich für deinen Hund lohnt
Was als Belohnung zählt, entscheidet dein Hund. Futter ist der Klassiker, aber das Wiener Handbuch nennt auch Freilauf, ins Wasser dürfen oder Kontakt zu anderen Hunden. Für einen besonders guten Rückruf gibt es einen Jackpot, also eine größere oder besonders leckere Belohnung, etwa mehrere Leckerlis nacheinander aus der Hand.
Klappt die Übung unter Ablenkung gut, nennt das Handbuch als Richtwert etwa 80 Prozent richtige Ausführungen. Ab dann kannst du die Belohnung langsam verringern, erst jedes zweite, dann jedes dritte Mal und schließlich in wechselndem Rhythmus.
Typische Fehler beim Rückruf
- Rufen nur zum Anleinen. Dann wird das Signal schnell zum Zeichen für das Ende des Freilaufs. Ruf deinen Hund lieber zwischendurch, belohne ihn und lass ihn wieder laufen.
- Rufen, wenn gerade etwas Spannendes kommt. Dann lernt dein Hund, dass das Signal einen Reiz ankündigt.
- Schimpfen beim Ankommen. Wer kommt, wird niemals bestraft, auch nicht nach langem Zögern, sonst verknüpft dein Hund das Zurückkommen mit Ärger.
- Zu viel auf einmal. Entscheidet sich dein Hund für einen vorbeilaufenden Hund statt für dein Signal, nennt das Wiener Handbuch das eine sozial angemessene Entscheidung. Bring ihn besser gar nicht erst in diesen Konflikt.
Weiterüben mit Schleppleine und Ablenkung
Draußen sichert die Schleppleine deinen Hund und lässt ihm trotzdem Raum. Freilauf mit Übung gelingt am entspanntesten auf einem eingezäunten Gelände, wie es der LMU-Beitrag empfiehlt. Hat dein Hund einen starken Jagdtrieb, findest du im Ratgeber Hund mit Jagdtrieb mehr zu Wild und Sicherheit.
Dass Belohnung wirkt, zeigt eine Studie der Universität Lincoln mit 63 Hunden. Die Gruppe mit Trainern, die auf Belohnung setzten, kam beim ersten Signal in 82,5 Prozent der Fälle, die Gruppe mit Elektrohalsband in 71,0 Prozent. Geräte, die durch direkte Stromeinwirkung das Verhalten eines Hundes erheblich einschränken oder ihn zur Bewegung zwingen und ihm dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, verbietet in Deutschland § 3 Nr. 11 Tierschutzgesetz, soweit keine andere Vorschrift sie erlaubt. Schmerzhafte Mittel im Training verbietet zusätzlich § 2 Abs. 5 der Tierschutz-Hundeverordnung. Ruhige Runden zum Üben findest du bei den Gassirunden von Rudelrunde.
Rudelrunde zeigt Hunde, die zu deinem passen, und Runden in deiner Stadt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis der Rückruf sitzt?
Das ist von Hund zu Hund verschieden. Als Richtwert nennt das Handbuch der Vetmeduni Wien etwa 80 Prozent richtige Ausführungen unter Ablenkung, erst dann wird die Belohnung langsam reduziert.
Was mache ich, wenn mein Hund nicht kommt?
Bleib ruhig und schimpfe nicht, wenn er schließlich kommt. Ist er im Wald weggelaufen, bleib an der Stelle stehen, an der er losgerannt ist, und üb danach erst einmal wieder an der Schleppleine.
Ab wann kann ich mit dem Rückruftraining anfangen?
Du kannst jederzeit beginnen, am besten zu Hause in gewohnter Umgebung. Kurze Einheiten von fünf bis zehn Minuten über den Tag verteilt reichen für den Anfang.
Hilft ein Elektrohalsband beim Rückruf?
In einer Studie der Universität Lincoln kamen Hunde nach belohnungsbasiertem Training beim ersten Signal häufiger als mit Elektrohalsband. Die Autoren halten das Gerät für unnötig, in Deutschland sind schmerzhafte Mittel im Training verboten.
Quellen
- Veterinärmedizinische Universität Wien, Messerli Forschungsinstitut: Handbuch zur Vorbereitung auf die Prüfung für Assistenzhundeführer (2015), Teil I (allgemeiner Teil zur Hundehaltung)
- Döring, Mittmann, Schneider, Erhard (2008): Genereller Leinenzwang für Hunde, ein Tierschutzproblem? Deutsches Tierärzteblatt 12/2008, Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der LMU München
- China, Mills, Cooper (2020): Efficacy of Dog Training With and Without Remote Electronic Collars vs. a Focus on Positive Reinforcement. Frontiers in Veterinary Science 7:508, Universität Lincoln
- Tierschutz-Hundeverordnung, § 2 Allgemeine Anforderungen an das Halten
- Tierschutzgesetz, § 3 (Verbote, Nr. 1 und Nr. 11)
Weiterlesen
Bildnachweise
- Ein Mensch geht mit seinem Hund auf einem Weg durch den Wald: „Visitor walking happy dog leash hoh campground camping pets d archuleta march 05 2015 (16751947833)“, Olympic National Park, Public domain, Wikimedia Commons, zugeschnitten
- Ein Gassigeher führt mehrere Hunde an der Leine durch einen Park: „Dog walker - Buenos Aires“, revolution cycle, CC BY 2.0, Wikimedia Commons, zugeschnitten
- Gefleckter Hund rennt durch hohes Gras: „English Setter running through grass“, Rjgunn007, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons, zugeschnitten


