
Gassi gehen im Alltag
Hund mit Jagdtrieb: was dahintersteckt und wie ihr sicher unterwegs seid
4 Min. Lesezeit · Stand 26.10.2026 · Darstellung mit Quellen, keine tierärztliche Beratung
Jagdtrieb ist bei Hunden angeborenes Verhalten, das sich zwischen Rassen deutlich unterscheidet und für das ein Hund nicht bestraft werden sollte. Sicher wird es, wenn dein Hund dort, wo Wild lebt, an der Schleppleine läuft, der Rückruf gut geübt ist und er für Nase und Kopf andere Aufgaben bekommt. Strafen oder Stromgeräte sind keine Lösung, schmerzhafte Mittel im Training verbietet die Tierschutz-Hundeverordnung.
Woher der Jagdtrieb beim Hund kommt
Hunde sind Jäger, heißt es im Handbuch der Veterinärmedizinischen Universität Wien, ihre Augen sind deshalb besonders auf Bewegung eingestellt. Wie stark ein Hund darauf anspringt, ist zum guten Teil Erbe seiner Rasse. Eine Studie der Universität Arizona hat Verhaltensdaten von mehr als 14.000 Hunden aus 101 Rassen mit Erbgutdaten verglichen. Das Hetzen von Katzen, Vögeln und anderen kleinen Tieren gehörte zu den Merkmalen, bei denen die Unterschiede zwischen den Rassen am stärksten genetisch erklärt waren.
Für dich heißt das vor allem eines: Ein Hund mit Jagdtrieb ist nicht ungezogen. Er tut, wofür seine Vorfahren gezüchtet wurden, und du lernst, damit sicher umzugehen.
Hund mit Jagdtrieb und Wild: was das Recht sagt
Nach § 23 Bundesjagdgesetz umfasst der Jagdschutz auch den Schutz des Wildes vor wildernden Hunden, die Einzelheiten regeln die Länder. In Bayern sind Jagdschutzberechtigte nach Art. 42 Abs. 1 Nr. 2 des Jagdgesetzes befugt, wildernde Hunde zu töten. Als wildernd gilt ein Hund, wenn er im Jagdrevier erkennbar dem Wild nachstellt und es gefährden kann, ausgenommen sind unter anderem gekennzeichnete Jagd-, Dienst-, Blinden- und Hirtenhunde im Einsatz.
Dazu kommt die Brut- und Setzzeit. In Niedersachsen sind Hunde vom 1. April bis zum 15. Juli in der freien Landschaft anzuleinen. Der Landkreis Lüneburg erklärt, warum: Schon der Kontakt zwischen Hund und Nachwuchs kann Tierfamilien so stören, dass Jungtiere von ihren Müttern verstoßen werden. Was in deinem Land gilt, zeigt unsere Seite zur Leinenpflicht, verbindlich ist der Gesetzestext.
Schleppleine statt Hoffnung
Bei Hunden, die zum Weglaufen oder Wildern neigen, empfiehlt ein Fachbeitrag der LMU München den Spaziergang an der langen Schleppleine, damit der Hund wenigstens ein Stück Freiheit hat. Richtigen Freilauf bekommt er auf einem eingezäunten Gelände, wo du auch den Rückruf üben kannst. Ruhige Wege abseits von Feldern findest du bei den Gassirunden von Rudelrunde, wo andere Halter Runden bewerten und Warnungen hinterlassen.
Ist es doch passiert und dein Hund ist im Wald verschwunden, rät das Wiener Handbuch, an der Stelle stehen zu bleiben, an der er losgerannt ist. Dorthin kehrt er im Normalfall zurück. Schimpfe nicht, wenn er wiederkommt, sonst verbindet er den Ärger mit dem Zurückkommen und nicht mit dem Weglaufen.
Jagdtrieb umlenken: Aufgaben für Nase und Kopf
Das Wiener Handbuch ist hier eindeutig: Für angeborenes Verhalten wie Jagdverhalten soll ein Hund niemals bestraft werden. Stattdessen nimmst du ihm die Gelegenheit, das Verhalten zu zeigen, und lenkst es auf etwas anderes.
- Nasenarbeit und Fährten. Such- und Fährtenspiele lasten aus, ohne den Hund hochzufahren.
- Weniger Hetzspiele. Jagd- und Rennspiele, Ballwerfen und Stöckchen nennt das Handbuch als mögliche Überbeanspruchung.
- Rückruf als Gewohnheit. Wie du ihn in kleinen Schritten aufbaust, erklärt der Ratgeber Rückruf beim Hund üben.
Training ohne Strafe wirkt besser
Die Universität Lincoln hat 63 Hunde verglichen, die überwiegend Nutzvieh hetzten oder schlecht auf den Rückruf hörten. Eine Gruppe trainierte mit Elektrohalsband, die anderen ohne, eine davon bei Trainern mit Schwerpunkt auf Belohnung. Diese Gruppe folgte dem Rückruf beim ersten Signal in 82,5 Prozent der Fälle, die Gruppe mit Elektrohalsband in 71,0 Prozent. Die Autoren halten das Gerät für ein wirksames Rückruftraining für unnötig.
In Deutschland ist die Lage ohnehin klar. § 3 Nr. 11 Tierschutzgesetz verbietet Geräte, die durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten erheblich einschränken und dem Tier nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, soweit nichts anderes erlaubt ist. § 2 Abs. 5 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet in Ausbildung, Erziehung und Training Stachelhalsbänder und andere schmerzhafte Mittel.
Rudelrunde zeigt Hunde, die zu deinem passen, und Runden in deiner Stadt.
Häufige Fragen
Kann man einem Hund den Jagdtrieb abgewöhnen?
Fachleute der Vetmeduni Wien raten, angeborenes Jagdverhalten nicht zu bestrafen. Stattdessen nimmst du deinem Hund die Gelegenheit zum Jagen, lenkst sein Verhalten um und übst den Rückruf, bis er auch unter Ablenkung klappt.
Darf ein Jäger einen wildernden Hund erschießen?
Das regeln die Länder. In Bayern sind Jagdschutzberechtigte nach Art. 42 Jagdgesetz befugt, wildernde Hunde zu töten, wenn diese im Revier erkennbar dem Wild nachstellen und es gefährden können. Verbindlich ist der Gesetzestext deines Landes.
Welche Leine ist bei Jagdtrieb sinnvoll?
Fachleute der LMU München und der Vetmeduni Wien empfehlen eine lange Schleppleine. Sie gibt deinem Hund Freiheit und sichert ihn trotzdem.
Hilft ein Elektrohalsband gegen Jagdtrieb?
In einer Studie der Universität Lincoln war Training mit Belohnung beim Rückruf erfolgreicher. In Deutschland verbieten Tierschutzgesetz und Tierschutz-Hundeverordnung schmerzhafte Mittel und entsprechende Stromgeräte.
Quellen
- MacLean et al. (2019): Highly heritable and functionally relevant breed differences in dog behaviour. Proceedings of the Royal Society B 286:20190716, Universität Arizona
- Veterinärmedizinische Universität Wien, Messerli Forschungsinstitut: Handbuch zur Vorbereitung auf die Prüfung für Assistenzhundeführer (2015), Teil I (allgemeiner Teil zur Hundehaltung)
- Bundesjagdgesetz, § 23 Inhalt des Jagdschutzes
- Bayerisches Jagdgesetz, Art. 42 Aufgaben und Befugnisse der Jagdschutzberechtigten
- Landkreis Lüneburg, Fachdienst Umwelt: Brut- und Setzzeit, Leinenpflicht in Niedersachsen vom 1. April bis zum 15. Juli (Stand Februar 2022)
- Döring, Mittmann, Schneider, Erhard (2008): Genereller Leinenzwang für Hunde, ein Tierschutzproblem? Deutsches Tierärzteblatt 12/2008, Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der LMU München
- China, Mills, Cooper (2020): Efficacy of Dog Training With and Without Remote Electronic Collars vs. a Focus on Positive Reinforcement. Frontiers in Veterinary Science 7:508, Universität Lincoln
- Tierschutzgesetz, § 3 (Verbote, Nr. 1 und Nr. 11)
- Tierschutz-Hundeverordnung, § 2 Allgemeine Anforderungen an das Halten
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Bildnachweise
- Ein Mensch geht mit seinem Hund auf einem Weg durch den Wald: „Visitor walking happy dog leash hoh campground camping pets d archuleta march 05 2015 (16751947833)“, Olympic National Park, Public domain, Wikimedia Commons, zugeschnitten
- Ein Gassigeher führt mehrere Hunde an der Leine durch einen Park: „Dog walker - Buenos Aires“, revolution cycle, CC BY 2.0, Wikimedia Commons, zugeschnitten
- Hund im Mantel zieht kräftig an der Leine: „Dog excited to be in the Parade (8084389154)“, Erik Drost, CC BY 2.0, Wikimedia Commons, zugeschnitten


