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TippWas ein Hund mit Rute und Ohren sagt, steht im Ratgeber zur Körpersprache.
Gefleckter Hund rennt durch hohes Gras
Foto: „English Setter running through grass“, Rjgunn007, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons, zugeschnitten

Gassi gehen im Alltag

Hund mit Jagdtrieb: was dahintersteckt und wie ihr sicher unterwegs seid

4 Min. Lesezeit · Stand 26.10.2026 · Darstellung mit Quellen, keine tierärztliche Beratung

Jagdtrieb ist bei Hunden angeborenes Verhalten, das sich zwischen Rassen deutlich unterscheidet und für das ein Hund nicht bestraft werden sollte. Sicher wird es, wenn dein Hund dort, wo Wild lebt, an der Schleppleine läuft, der Rückruf gut geübt ist und er für Nase und Kopf andere Aufgaben bekommt. Strafen oder Stromgeräte sind keine Lösung, schmerzhafte Mittel im Training verbietet die Tierschutz-Hundeverordnung.

Woher der Jagdtrieb beim Hund kommt

Hunde sind Jäger, heißt es im Handbuch der Veterinärmedizinischen Universität Wien, ihre Augen sind deshalb besonders auf Bewegung eingestellt. Wie stark ein Hund darauf anspringt, ist zum guten Teil Erbe seiner Rasse. Eine Studie der Universität Arizona hat Verhaltensdaten von mehr als 14.000 Hunden aus 101 Rassen mit Erbgutdaten verglichen. Das Hetzen von Katzen, Vögeln und anderen kleinen Tieren gehörte zu den Merkmalen, bei denen die Unterschiede zwischen den Rassen am stärksten genetisch erklärt waren.

Für dich heißt das vor allem eines: Ein Hund mit Jagdtrieb ist nicht ungezogen. Er tut, wofür seine Vorfahren gezüchtet wurden, und du lernst, damit sicher umzugehen.

Hund mit Jagdtrieb und Wild: was das Recht sagt

Nach § 23 Bundesjagdgesetz umfasst der Jagdschutz auch den Schutz des Wildes vor wildernden Hunden, die Einzelheiten regeln die Länder. In Bayern sind Jagdschutzberechtigte nach Art. 42 Abs. 1 Nr. 2 des Jagdgesetzes befugt, wildernde Hunde zu töten. Als wildernd gilt ein Hund, wenn er im Jagdrevier erkennbar dem Wild nachstellt und es gefährden kann, ausgenommen sind unter anderem gekennzeichnete Jagd-, Dienst-, Blinden- und Hirtenhunde im Einsatz.

Dazu kommt die Brut- und Setzzeit. In Niedersachsen sind Hunde vom 1. April bis zum 15. Juli in der freien Landschaft anzuleinen. Der Landkreis Lüneburg erklärt, warum: Schon der Kontakt zwischen Hund und Nachwuchs kann Tierfamilien so stören, dass Jungtiere von ihren Müttern verstoßen werden. Was in deinem Land gilt, zeigt unsere Seite zur Leinenpflicht, verbindlich ist der Gesetzestext.

Schleppleine statt Hoffnung

Bei Hunden, die zum Weglaufen oder Wildern neigen, empfiehlt ein Fachbeitrag der LMU München den Spaziergang an der langen Schleppleine, damit der Hund wenigstens ein Stück Freiheit hat. Richtigen Freilauf bekommt er auf einem eingezäunten Gelände, wo du auch den Rückruf üben kannst. Ruhige Wege abseits von Feldern findest du bei den Gassirunden von Rudelrunde, wo andere Halter Runden bewerten und Warnungen hinterlassen.

Ist es doch passiert und dein Hund ist im Wald verschwunden, rät das Wiener Handbuch, an der Stelle stehen zu bleiben, an der er losgerannt ist. Dorthin kehrt er im Normalfall zurück. Schimpfe nicht, wenn er wiederkommt, sonst verbindet er den Ärger mit dem Zurückkommen und nicht mit dem Weglaufen.

Jagdtrieb umlenken: Aufgaben für Nase und Kopf

Das Wiener Handbuch ist hier eindeutig: Für angeborenes Verhalten wie Jagdverhalten soll ein Hund niemals bestraft werden. Stattdessen nimmst du ihm die Gelegenheit, das Verhalten zu zeigen, und lenkst es auf etwas anderes.

Training ohne Strafe wirkt besser

Die Universität Lincoln hat 63 Hunde verglichen, die überwiegend Nutzvieh hetzten oder schlecht auf den Rückruf hörten. Eine Gruppe trainierte mit Elektrohalsband, die anderen ohne, eine davon bei Trainern mit Schwerpunkt auf Belohnung. Diese Gruppe folgte dem Rückruf beim ersten Signal in 82,5 Prozent der Fälle, die Gruppe mit Elektrohalsband in 71,0 Prozent. Die Autoren halten das Gerät für ein wirksames Rückruftraining für unnötig.

In Deutschland ist die Lage ohnehin klar. § 3 Nr. 11 Tierschutzgesetz verbietet Geräte, die durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten erheblich einschränken und dem Tier nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, soweit nichts anderes erlaubt ist. § 2 Abs. 5 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet in Ausbildung, Erziehung und Training Stachelhalsbänder und andere schmerzhafte Mittel.

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Häufige Fragen

Kann man einem Hund den Jagdtrieb abgewöhnen?

Fachleute der Vetmeduni Wien raten, angeborenes Jagdverhalten nicht zu bestrafen. Stattdessen nimmst du deinem Hund die Gelegenheit zum Jagen, lenkst sein Verhalten um und übst den Rückruf, bis er auch unter Ablenkung klappt.

Darf ein Jäger einen wildernden Hund erschießen?

Das regeln die Länder. In Bayern sind Jagdschutzberechtigte nach Art. 42 Jagdgesetz befugt, wildernde Hunde zu töten, wenn diese im Revier erkennbar dem Wild nachstellen und es gefährden können. Verbindlich ist der Gesetzestext deines Landes.

Welche Leine ist bei Jagdtrieb sinnvoll?

Fachleute der LMU München und der Vetmeduni Wien empfehlen eine lange Schleppleine. Sie gibt deinem Hund Freiheit und sichert ihn trotzdem.

Hilft ein Elektrohalsband gegen Jagdtrieb?

In einer Studie der Universität Lincoln war Training mit Belohnung beim Rückruf erfolgreicher. In Deutschland verbieten Tierschutzgesetz und Tierschutz-Hundeverordnung schmerzhafte Mittel und entsprechende Stromgeräte.

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