Ratgeber
Tierheilpraktiker für Hunde: was sie dürfen und was nicht
5 Min. Lesezeit · Stand 27.10.2026 · Darstellung mit Quellen, keine Rechts- oder tierärztliche Beratung
Ein Tierheilpraktiker darf deinen Hund behandeln, aber nur außerhalb der Tätigkeiten, die das Recht Tierärztinnen und Tierärzten vorbehält. Geschützt ist die Berufsbezeichnung Tierarzt, nicht die des Tierheilpraktikers, und für Tierheilpraktiker gibt es nach Bundesregierung (2007) und Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages (2021) weder eine staatlich geregelte Ausbildung noch eine Erlaubnis. Bei Beschwerden führt der erste Weg deshalb in die Tierarztpraxis.
Was unterscheidet Tierarzt und Tierheilpraktiker beim Hund?
Der Unterschied zwischen Tierarzt und Tierheilpraktiker beim Hund beginnt bei der Ausbildung und endet beim Recht. Tierärztin oder Tierarzt darf sich nach § 3 der Bundes-Tierärzteordnung nur nennen, wer approbiert ist. Laut den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages dauern Studium und praktische Ausbildung rund fünfeinhalb Jahre und schließen mit einer staatlichen Prüfung ab. Der tierärztliche Beruf ist nach § 1 der Bundes-Tierärzteordnung kein Gewerbe, sondern ein freier Beruf.
Für Tierheilpraktiker sieht das anders aus. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von 2007 unterliegt der Beruf keinen eigenen bundesrechtlichen Vorschriften, eine Erlaubnis zur Ausübung ist nicht vorgesehen. Im Deutschen Tierärzteblatt, der Zeitschrift der Bundestierärztekammer, hieß es 2015, Tierheilpraktiker seien in ihrer Berufsausübung Gewerbetreibende. In Österreich war die Ausübung der Tierheilkunde laut derselben Antwort dagegen Tierärzten vorbehalten und der Beruf seit 1992 durch das Tierärztegesetz verboten.
Kann jeder Tierheilpraktiker werden, und welche Ausbildung braucht er für deinen Hund?
Ja, eine vorgeschriebene Ausbildung zum Tierheilpraktiker für deinen Hund gibt es nicht. Die Bundesregierung schreibt, der Angabe Tierheilpraktiker lasse sich nicht entnehmen, dass die Person bestimmte gesetzliche Ausbildungs- oder Zugangsvoraussetzungen erfüllen muss. Die Tätigkeit ist trotzdem ein von Artikel 12 Grundgesetz geschützter Beruf. Eine Pflicht, sie eigens gesetzlich zu regeln, sieht die Bundesregierung nicht.
Nach einem Beitrag im Deutschen Tierärzteblatt von 2015 wurden die Kurse als Fernlehrgänge, als Präsenzveranstaltungen meist an Wochenenden oder in Vollzeit angeboten und dauerten einige Monate bis mehrere Jahre. Viele Schulen vergaben nach dieser Darstellung eigene Diplome. Einige Verbände hatten Berufsordnungen und Prüfungsrichtlinien, denen ihre Mitglieder sich freiwillig unterwarfen. Wie gut jemand ausgebildet ist, erfährst du also nur durch Nachfragen.
Welche Grenzen setzt das Gesetz einem Tierheilpraktiker?
Alles, was das Recht Tierärzten vorbehält, darf ein Tierheilpraktiker nicht tun. So hat es die Bundesregierung formuliert und dabei Lebensmittel-, Arzneimittel-, Betäubungsmittel-, Tierseuchen- und Tierschutzrecht genannt. Verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnen dürfen Tierheilpraktiker nach den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages nicht.
Wichtig ist § 50 Abs. 2 des Tierarzneimittelgesetzes. Wer nicht Tierarzt ist, darf verschreibungspflichtige Tierarzneimittel und Arzneimittel für Menschen bei Tieren nur anwenden, wenn die Tierärztin, bei der das Tier in Behandlung ist, sie verschrieben oder abgegeben und eine Behandlungsanweisung für den Fall ausgehändigt hat. Ausgenommen sind nicht verschreibungspflichtige, registrierte homöopathische Arzneimittel bei Tieren, die nicht der Gewinnung von Lebensmitteln dienen, also auch bei Hunden. Weil Tierheilpraktiker überwiegend mit Tieren arbeiten, gelten für sie nach Auffassung der Bundesregierung die Vorschriften des Tierschutzgesetzes in besonderem Maße. Verbindlich ist der Gesetzestext, im Einzelfall entscheidet die zuständige Behörde.
Mit welchen Kosten rechnest du beim Tierheilpraktiker für den Hund?
Die Kosten beim Tierheilpraktiker für deinen Hund legt keine staatliche Gebührenordnung fest. Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) gilt nach § 1 für die beruflichen Leistungen von Tierärztinnen und Tierärzten, und für den Beruf des Tierheilpraktikers gibt es laut Bundesregierung (Stand 2007) keine eigenen bundesrechtlichen Vorschriften. Ein Gebührenverzeichnis für Tierheilpraktiker fand sich laut einem Beitrag im Deutschen Tierärzteblatt von 2015 auf der Website eines Verbands, eine staatliche Vorgabe ist das nicht.
Frag deshalb vorher, was ein Termin kostet, wie viele Termine geplant sind und ob Mittel extra berechnet werden. Wer eine Naturheilmethode lieber in der Tierarztpraxis ausprobieren möchte, findet sie auch dort. Die GOT kennt eine eigene Position für Beratung im Rahmen von Naturheilverfahren wie Akupunktur und Homöopathie. Was das bei der Akupunktur bedeutet, liest du im Ratgeber Akupunktur beim Hund.
Woran du Qualifikation und Erfahrungen eines Tierheilpraktikers für den Hund erkennst
Gute Erfahrungen anderer Halter mit einem Tierheilpraktiker für den Hund sind ein Eindruck, aber kein Nachweis einer Qualifikation. Ein paar Fragen bringen dich weiter.
- Wo und wie lange? Frag nach Schule, Dauer und Inhalt der Ausbildung und nach einer Prüfung bei einem Verband.
- Wo hört die Behandlung auf? Eine seriöse Tierheilpraktikerin sagt dir, wann dein Hund in die Tierarztpraxis gehört, und arbeitet ihr nicht entgegen.
- Was wird versprochen? Sei vorsichtig bei Heilversprechen. Laut den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages ist etwa die Wirksamkeit homöopathischer Mittel bei Menschen und Tieren umstritten und nicht eindeutig belegt.
- Was kostet es? Lass dir die Preise vor dem ersten Termin nennen.
Praxen für Akupunktur und Physiotherapie mit Angaben von ihrer eigenen Website findest du in den Rudelrunde-Verzeichnissen Akupunktur für Hunde und Hundephysiotherapie. Dort stehen Tierarztpraxen und Therapiepraxen, auch von Tierheilpraktikern, kostenlos und ohne Prüfung der Ausbildung. Die Fragen oben stellst du deshalb auch dort.
Rudelrunde zeigt Hunde, die zu deinem passen, und Runden in deiner Stadt.
Häufige Fragen
Was kostet eine Tierheilpraktikerin für den Hund?
Das legt keine staatliche Gebührenordnung fest, die GOT gilt für Tierärztinnen und Tierärzte. Ein Gebührenverzeichnis eines Verbands ist keine staatliche Vorgabe. Frag vor dem ersten Termin nach dem Preis und der geplanten Zahl der Termine.
Ist Tierheilpraktiker eine geschützte Berufsbezeichnung?
Nein. Geschützt ist nach § 3 Bundes-Tierärzteordnung die Bezeichnung Tierarzt. Hinter dem Wort Tierheilpraktiker stehen laut Bundesregierung keine gesetzlichen Ausbildungs- oder Zugangsvoraussetzungen.
Was ist Tierhomöopathie?
Tierhomöopathie ist die Behandlung von Tieren mit homöopathischen Mitteln. Ihre Wirksamkeit ist nach den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages umstritten und nicht eindeutig belegt. Registrierte, nicht verschreibungspflichtige homöopathische Arzneimittel dürfen auch Nicht-Tierärzte bei Hunden anwenden.
Darf ein Tierheilpraktiker Medikamente verschreiben?
Verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnen darf er laut den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages nicht. Anwenden darf er sie nach § 50 Abs. 2 TAMG nur, wenn die behandelnde Tierarztpraxis sie verschrieben oder abgegeben und eine Behandlungsanweisung ausgehändigt hat. Bestimmte verschreibungspflichtige Impfstoffe gegen Seuchen wendet nach § 50 Abs. 1 nur der Tierarzt an.
Quellen
- Bundes-Tierärzteordnung, § 3 Berufsbezeichnung
- Bundes-Tierärzteordnung, § 1 Aufgaben, kein Gewerbe
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, WD 5 - 3000 - 032/19 (12.03.2019): Rechtliche Einordnung des Berufs des Tierheilpraktikers
- Deutscher Bundestag, Drucksache 16/5573 (11.06.2007): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Tierheilpraktiker, ein Gewerbe ohne bundesrechtliche Vorschriften“
- Autorenbeitrag: Kübler, H. (2015): Tierheilpraktiker, Situation 2014. Deutsches Tierärzteblatt 4/2015, S. 492 bis 496 (Bundestierärztekammer)
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, WD 3 - 3000 - 117/21 und WD 5 - 3000 - 049/21 (07.06.2021): Tierheilpraktiker und § 50 Gesetzentwurf BT-Drs. 19/28658
- Tierarzneimittelgesetz (TAMG), § 50 Anwendung von Tierarzneimitteln
- Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) vom 15.08.2022, § 1, § 2, § 10 und Gebührenverzeichnis (Nr. 2, 16, 40, 183, 242 bis 246)